Zum schneereichen Winter bei uns in Nauders am Reschenpass gehört natürlich der Wintersport. Die Auswahl ist fast schon verwirrend groß: Das Familienskigebiet Bergkastel und der Kaunertaler Gletscher locken Skihasen und Pistenlöwen, die Rodelbahnen begeistern mit Kurven und Geschwindigkeit, Winterwanderer und Schneeschuhgänger bevölkern die Berge auf der Suche nach dem atemberaubenden Ausblick ins Tal.

Dann gibt es noch eine Sportart, die in den letzten Jahren einen rasanten Aufschwung erfahren hat: Das Skitourengehen. Hatte das Skitourengehen schon vorher einige glühende Verehrer, ist es spätestens jetzt im Fokus der Allgemeinheit angekommen. Der Hype um den Aufstieg mit fellbewehrten Skiern und das anschließende Abwärtsbrausen ins Tal nimmt nicht ab. Skitouren sind ideal, um abseits von allem Trubel und Menschenmassen das atemberaubende Winterpanorama am Reschenpass zu genießen und gleichzeitig trotzdem recht fordernden Sport zu betreiben.

Wer das Skitourengehen bereits einmal mit geliehener Ausrüstung ausprobiert hat und sich nun dafür entschieden hat, selbst in ein gutes Set zu investieren, dem kann vor lauter Auswahl fast schwindlig werden. Hier helfen unsere Tipps zum Tourenski-Kauf weiter. Beratung vor Ort in einem Fachgeschäft können sie zwar nicht ersetzen, doch mit etwas Vorwissen fällt die Entscheidung gleich viel leichter!

5 Tipps zum Tourenski-Kauf

Grundsätzlich gilt: Es müssen Kompromisse gemacht werden. Modelle, die sich super für den Aufstieg eignen, zeigen in der Abfahrt ihre Schwächen und umgekehrt. Wettkampfmodelle, die die Leichtigkeit der Aufstiegstourer mit guten Abfahrtsqualitäten verbinden, schlagen sich in teils unzumutbaren Preisspannen nieder, sind für einen Anfänger also zu viel des Guten. Zum Glück gibt es allerdings inzwischen Allroundmodelle, die die Vorzüge von beiden auch einigermaßen vereinen. Wählen Sie selbst, worauf Sie ihm Skitourensport Wert legen wollen, oder holen Sie sich ein Modell, das für alle Situationen gerüstet ist. Was das Material angeht, ist und bleibt Holz der klare Favorit; verstärkende Elemente aus Glasfaser oder Karbon können jedoch unterstützend wirken.

Länge & Breite

In puncto Länge ist es wichtig die Tourenski nicht zu kurz zu wählen. Ein kurzer Ski ist wendiger, bietet aber weniger Halt und Sicherheit im Aufstieg und Laufruhe in der Abfahrt. Ein zu schmaler Ski macht in der Abfahrt keinen Spaß, ein zu breiter beim Aufstieg Probleme. Je breiter der Ski, desto länger „darf“ er sein ohne Sorgen zu machen. Die Breite sollte 85–95mm unter der Bindung nicht unter- oder überschreiten. Als Faustregel gilt hier:

Körpergröße: 160 cm = Skilänge 150-158 cm (breiterer Ski: 165-170 cm)

Körpergröße: 170 cm = Skilänge 159-169 cm (breiterer Ski: 175-180 cm)

Körpergröße: 180 cm = Skilänge 170-178 cm (breiterer Ski: 185-190 cm)

Sondermodelle für kleinere oder größere Personen sind natürlich auch erhältlich.

Bindung

Eine Tourenskibindung wird, anders als die der alpinen Ski, nur an der Schuhspitze fixiert, damit die Ferse beweglich bleibt und ein komfortables Aufsteigen bergauf ermöglicht. Hier unterscheidet man grundsätzlich Platten- und Pin-Bindungen. Erstere lassen die ganze Bindung samt Fersenteil beweglich bleiben, zweitere nur den Schuh mit am Ski fixiertem Fersenteil. In jedem Gesichtspunkt sind Plattenbindungen komfortabler und sicherer – doch leider auch um ein Vielfaches schwerer. Dieser Punkt darf nicht ignoriert werden, denn mit bereits 1,5–2kg Ski plus Skischuh pro Fuß spürt man auf einer Tour von mehreren Stunden irgendwann jedes zusätzliche Gramm. Die Präferenz ist hier jedoch Ihnen überlassen, denn auch die kompliziertere Handhabung der Pin-Bindungen bringt ihre Nachteile.

Skitourenschuhe

Grundsätzlich sehr verschieden von Pistenschuhen sind Skitourenschuhe zwar nicht, trotzdem sollten Sie sich ein extra Paar zulegen, da doch andere Anforderungen an Gewicht und Flexibilität bestehen. Der Schuh sollte perfekt passen und mit dem ganzen System aus Ski und Bindung harmonieren. Probieren Sie so viele Modelle wie möglich, damit Sie sicher das richtige für sich finden. Schmerzhafte Blasen mitten im Tiefschnee sind nicht unbedingt angenehm. Trotzdem sollten Sie die Größe nicht aus zu viel Vorsicht zu groß wählen, den nach ein paar Abfahrten weiten sich die Schuhe etwas. Zu guter Letzt sollten die Schuhe auch kurze Spaziergänge ohne Ski (über felsiges Gelände o.ä.) aushalten, ohne den Geist aufzugeben oder Ihrem Fuß zu schaden.

Achtung: Manche Skitourenschuhe sind nur mit Bindungen der gleichen Marke verwendbar!

Felle

Mit der wichtigste Teil der Ausrüstung und der, an dem am wenigsten gespart werden sollte. Das Dilemma beim Fellkauf: Einerseits müssen sie gut gleiten, um einen angenehmen und nicht zu kräftezehrenden Aufstieg zu ermöglichen, andererseits ist der Grip wichtig, um nicht für jeden Schritt nach vorne wieder zwei nach hinten abzurutschen. Felle mit Kleber oder Adhäsion, aus Mohair oder Synthetik, imprägniert oder nicht – hier findet jeder bald die Kombination, die ihm zusagt. Die definitiven Unterschiede sind vernachlässigbar.

Restliches Zubehör

Teleskopstöcke mit Wintertellern, Harscheisen und ein Rucksack mit 25–40 Litern sowie ein komplettes Lawinenset (samt verinnerlichter korrekter Benutzung) runden das Gesamtpaket ab! Für die Kleidung gilt dasselbe wie für fast jeden Bergsport: Zwiebelprinzip aus atmungsaktiven Schichten, trockene Wechselwäsche für den Einkehrschwung.