Der Volksmund sagt zu Recht, dass gegen alles ein Kraut gewachsen ist. Viele der heute in der Schulmedizin verwendeten Präparate haben ihren Ursprung in pflanzlichen Wirkstoffen und konzentrieren diese nur, die Anwendung der Pflanzen selbst ist meist bereits seit dem Mittelalter oder früher bekannt.

So ist auch gegen den Winter, die kalte unwirtliche Jahreszeit, nicht nur ein Kraut gewachsen. Ein Wintertee (Rezept weiter unten) hält die gängigsten Sorgen des Winters in Schach, stärkt Immunsystem und Atemwege und hebt die Stimmung. Warum also nicht jetzt, im Spätsommer und Frühherbst, die reiche Auswahl der Natur nutzen und auf einer der vielen Wanderungen, die Sie rund um unser Wanderhotel Post in Nauders am Reschenpass unternehmen können, ein paar hilfreiche Kräuter für Ihre Winter-Hausapotheke mitnehmen?

Dabei gibt es aber einiges zu beachten, einfach wahllos Kräuter auszureißen ist weder ratsam noch gut für das empfindliche Gleichgewicht der Natur. Deshalb gibt Ihnen das Hotel Post in Nauders heute unsere 4 besten Tipps zum Wildkräutersammeln mit auf den Weg:

Kräuter sammeln – aber richtig

Tipp 1: Nehmen Sie nur mit, was sie klar und zweifelsfrei als das Gewünschte erkennen. Nicht wenige unserer vielfältigen Alpenkräuter haben giftige, ungenießbare oder anderweitig unerwünschte Doppelgänger (man denke hier nur an die Herbszeitlose und den Bärlauch, aber Beispiele gibt es genug). Besuchen Sie eine geführte Kräuterwanderung, holen Sie sich kundige Kräuterexperten vor Ort oder besorgen Sie sich anschaulich bebilderte Bücher zum Thema.

Tipp 2: Der mit Abstand beste Zeitpunkt zum Sammeln von Kräutern ist kurz vor der Mittagszeit an einem wolkenlosen Tag. Nur so stehen die Pflanzen in vollem Saft und garantieren die höchste Konzentration an den gewünschten Stoffen. So vermeiden Sie außerdem, dass regen- oder taunasse Kräuter beim Transport schimmeln. Um dies auch an sonnigen Tagen zu vermeiden, sollten Sie zudem Ihre Ernte in einem luftigen Weidenkorb oder einer Papiertragetasche transportieren, denn zusammengepresste oder luftdicht „eingesperrte“ Kräuter faulen schneller, als man meinen möchte.

Tipp 3 versteht sich von selbst, aber sollte erwähnt werden: Nur gesunde Pflanzen sind auch gesund für den Menschen. Beschädigte, verformte, angeknabberte oder verfärbte Pflanzen haben im Bestfall weniger Inhaltsstoffe und im schlimmsten Fall einen Befall mit Krankheit oder Erregern, der Ihnen auch schaden könnte. Deshalb ist es auch ratsam, Kräuter nur im unberührten Wald oder auf naturbelassenen Weiden zu pflücken anstatt neben vielbefahrenen Straßen oder nahe an intensivem Nicht-Bio-Obstbau.

Tipp 4: Die Kräuter sollten keinesfalls einfach ausgerupft werden. Nutzen Sie ein scharfes Messer (am besten mit Keramikklinge), um die benötigten Pflanzenteile abzuschneiden. Sollten Sie nur die Blüten oder Beeren verwenden, räumen Sie die Pflanze nicht vollständig ab, sondern lassen einige hängen/stehen und ernten dafür mehrere Pflanzen ab. Sind Sie auf der Suche nach Wurzeln, muss die Pflanze zwangsläufig dran glauben; es hilft aber dem ökologischen Gleichgewicht sehr, wenn Sie ein kleines Stück abzwicken und dieses an derselben Stelle wieder eingraben, damit eine neue Pflanze bald ihren Platz einnehmen kann. Das Gleichgewicht ist generell wichtig: Pflücken Sie nur die Menge, die Sie wirklich brauchen und zeitnah verarbeiten können. Kommen Sie nicht darum herum, große Mengen zu benötigen, weiten Sie Ihre Ernte auf mehrere Standorte und viele einzelne Pflanzen aus und lassen Sie an jedem ein paar Exemplare stehen. Die Natur hilft uns und steht zu unserer Verfügung, doch müssen wir ihr Gelegenheit geben, sich zu regenerieren.

Nun sind Sie bestens informierter Sammler, doch wohin mit der Beute des Naturstreifzugs? Unser Tipp: Der Wintertee!

Rezept: Wintertee

Hiermit sind Sie gegen jede Unannehmlichkeit der kalten Jahreszeit gewappnet. Die Hagebutte gibt frischen Geschmack und ist eine wahre Vitamin-C-Bombe. Salbei ist der Alleskönner bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, Halsschmerzen und Husten und tötet Viren, Bakterien und Pilze. Thymian darf nicht fehlen, da er (neben einer langen Liste an anderen Vorteilen) entzündungshemmend für jegliche Erkrankung der Atemwege und krampf- und schleimlösend wirkt, also Husten und Erkältung keine Chance gibt. Johanniskraut ist ein wahres pflanzliches Antidepressivum (und wird in weit höherer Konzentration als solches verwendet); im Tee wirkt es stimmungsaufhellend, gegen Schlafstörungen und allgemein nervenberuhigend. Zimt und Ingwer sorgen für den Geschmack, haben jedoch beide zudem leicht antibakterielle Wirkung. Die Brennnessel schließlich rundet die Mischung mit ihrer entschlackenden, harntreibenden und stoffwechselfördernden Wirkung ab.

Nun aber zur Zubereitung:

2 EL gehackte Brennesselblätter

1 EL gehackte Hagebuttenschalen

2 TL jeweils Salbei und Thymian, grob gehackt

1 TL gehackte Johanniskrautblüten

1 Zimstange, etwas zerbröselt

1 TL fein gehackter Ingwer

Wir empfehlen getrocknete Zutaten (bis auf Ingwer), sollten Sie im Winter noch an frische Kräuter kommen (außer bei den Hagebutten bei allen möglich) können diese auch verwendet werden. Für die Zubereitung alles mit 1/4l heißem (nicht mehr kochendem) Wasser übergießen, 10min. ziehen lassen, abseihen und nach Belieben mit Honig süßen. In kleinen Schlucken möglichst heiß trinken. Aufgrund der doch recht hohen Konzentration an Wirkstoffen sollten Sie eine Menge von 2–3 Tassen am Tag nicht überschreiten.